Making-Of: Inszenierung der Action-Sequenzen – GTA Ben-Hur

Nachdem ich euch im vorigen Artikel erklärt habe, wie ich die Action-Sequenzen filmte, möchte ich in diesem Artikel erklären, wie ich diese inszenierte. Das untere Bild, dient dem Verständnis welche Abschnitte des Video mit den Action-Sequenzen gemeint sind und welche nicht.

Die 10 Action-Sequenzen, die den Hauptteil des GTA Ben Hur Showreels ausmachen.

Die drei Leitregeln der Inszenierung der Action-Sequenzen

Von Anfang an verfolgte ich bei der Inszenierung der Action-Sequenzen folgende Regeln bzw. Ansprüche:

  1. Das Video sollte kurzweilig wirken. Das Tempo der Fahrzeuge und die Dynamik der Kameraführung in den Actionsequenzen sollte das Video wie im Flug vergehen lassen.
  2. Das Geschehen sollte trotz der hohen Geschwindigkeit der Bewegung von Kamera und Spieler stets lesbar bleiben.
  3. Die spektakuläre Inszenierung sollte den Gewaltspitzen der Actionsequenzen Wucht verleihen.

Um diese teilweise gegensätzlichen Ansprüche miteinander vereinbaren zu können ging ich wie folgt vor.

Einleitung einer neuen Action-Sequenz mit Establishing Shots

Möglichst jede neue Sequenz sollte durch Establishing Shots eingeleitet werden. Dies sollte den Zuschauer die Möglichkeit geben genug Zeit zu haben, um sich räumlich zu orientieren und den jeweiligen Protagonisten ausfindig zu machen, bevor er in ein Gefecht tritt. Diese Establishing Shots dienten gleichzeitig auch der Trennung der einzelnen Sequenzen, die allesamt an sehr ähnlichen Orten in der Team-Deathmatch Karten stattfanden.

Um Trotz Verwendung dieser einleitenden Kamera-Einstellungen möglichst wenig Tempo im Video zu verlieren, versuchte ich, bereits durch den Establishing Shot Geschwindigkeit zu vermitteln: Zum Beispiel indem Protagonist an der relativ statischen Kamera mit hohem Geschwindigkeit vorbeifährt, woraufhin die Kamera beschleunigt und von dem Protagonisten wie am Gummiband gezogen mitgerissen wird.

Bei vier anderen Establing Shot benutzen ich ähnliche Gummiband-artige Kamerafahrten.


Bei den Establishing Shot, bei denen ich nicht solche elastischen Kamerafahrten benutze, ging ich dennoch sicher, dass die Kamera sich von Anfang an in Bewegung befindet. Vor allem in Anbetracht der häufigen Benutzung der Zeitlupe war es wichtig, dass die Actionsequezen schon durch den Establishing-Shot viel Tempo aufnahmen.

Es gibt nur zwei Actionsequenzen bei denen die Kamera sich nicht schon zum Beginn des Establing Shots in Bewegung befindet: Bei der ersten, die durch den Aufstieg des Protagonisten aufs Motorrad alle anderen Actionsequenzen einleiten sollte und bei der fünften, wo das Anfahren mit dem Motorrad den Struz in der vorigen Sequenz logisch verknüpfen sollte.

Longshots und Schnitt-Tempo

Während viele Actionfilme Geschwindigkeit durch ein hohes Schnitt-Tempo verstärken, wollte ich zu Gunsten der Lesbarkeit der Action Sequenzen möglichst viele Longshots benutzen. Einen Schnitt setzte ich in den Actionsequenzen nur dann, wenn ich mir sicher war, dass eine neue Kameraeinstellung eine Bewegung merklich effektiver hervorhob und oder mir der räumliche Abstand zwischen verschiedenen Kamerapositionen nicht genug Zeit für eine geschmeidigen Kamerafahrt ließ.

Natürlich ist das Benutzen von vielen Longshots statt vielen Schnitten auch ein Nebeneffekt der Restriktionen der maximalen Kameraentfernung zum Protagonisten, die ich schon näher im Artikel zu den Aufnahme-Arten eingegangen bin.

Hier sieht man sehr schön wie der Longshot von zwei Schnitten abgelöst wird, um die Explosion des Quad-Bikes, und der darauffolgen Explosion des Tankwagens, sowie Motorrad-Crash besser in Szene zu setzten.

Wuchtige Gewaltspitze durch Kamerawackeln und Slowmotion

Um den Gewaltspitzen der Actionszenen Wucht zu verleihen fügte ich passend Kamerawackeln hinzu: Immer dann, wenn sich die Kamera einem Fahrzeug näherte, mit diesem mitfuhr, absprang, landete, wenn in der Nähe der Kamera jemand schoss oder etwas explodierte, intensivierte ich das Kamerawackeln entsprechend.

Überdies hob ich die Gewaltspitze der Actionszenen mit Slow Motion hervor. Dies machte ich nicht nur, um den Geschehen mehr Wucht zu verleihen, sondern auch, um es lesbarer zu machen. Dies war wichtig, da in einigen Einstellungen in den Longshots mehrere Dinge gleichzeitig passieren. Durch die Verwendung der Zeitlupe versuchte ich, dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, alle (sich manchmal in gegensetzlichen Richtungen) bewegenden Elemente wahrzunehmen.

Slowmotion – Ein Balanceakt

Abschnitte einer Sequenz in Zeitlupe abspielen zu lassen verschaffte mir oft auch überhaupt die Zeit, um mit der Kamera innerhalb kurzer räumlicher Distanz elaborierte 180° Kameradrehungen zu vollführen. 

Nichtsdestotrotz musste ich bei der Slow Motion wohl dossiert vorgehen, wollte ich doch Wucht und Lesbarkeit nicht zum Nachteil der Geschwindigkeit verstärken. Das Einhalten des richtigen Gleichgewichts zwischen diesen drei manchmal gegensätzlichen Prinzipien (Wucht, Lesbarkeit, Geschwindigkeit) war vor allem im Bezug zur Zeitlupe schwierig und verlangte viel Herumprobieren.

Darüber hinaus bürgte die plötzliche Veränderung der Abspielgeschwindigkeit auch das Risiko, den Flow einer Bewegung zu zerstören, deren Intensität die Zeitlupe ja eigentlich vergrößern sollte. Die Frage, wann genau die Entschleunigung und wann genau die Beschleunigung in einer Bewegung einzusetzen hatte, ohne deren Flow zu zerstören, stelle sich bei jedem Einsatz der Slow Motion aufs Neue. Letzten Endes versuchte ich, dieses Dilemma zu lösen, indem ich mich beim Einsatz der Slow Motion von Veränderung leiten ließ: Kameraschwenks und vor allem Umschnitte waren besonders effektiv, um eine Veränderung der Abspielgeschwindigkeit zu kaschieren, doch auch die Bewegung der abgefilmte Sachen selbst waren von Nutzen.

Steigerung der Lesbarkeit durch Fokus

Vor allem bei den Logshots, in denen manchmal mehrer Sachen wie zum Beispiel Explosionen, Sprünge und Co. gleichzeitig passieren, war es besonders wichtig, die Aufmerksamkeit des Zuschauers mithilfe des Fokus zu lenken.

In folgenden Fall wechselt der Fokus von dem Protagonisten zum Verfolger, sobald dieser ins Bild springt:

Replay Editor: Alle Inszenierungstechniken im Schnelldurchlauf am Beispiel

In diesem kurzem Video sind alle in diesem Artikel beschriebenen Inszenierungtechniken in der Ansicht des Replay-Editor zu sehen. Im ersten Teil des Videos zappe ich durch ausgewählte Einstellungen der Keyframes, um in zweiten Teil das resultierenden Video abzuspielen.

Nur zu gern hätte ich dies anhand der originalen Replay-Editor-Dateien des Ben-Hur Videos gezeigt. Doch, wie ich schon im Artikel zu den Aufnahmearten und deren Probleme erläutert, sind die originalen Replay-Editor-Dateien leider endgültig gelöscht.


Im nächsten Teil des Tutorials wird es musikalisch. Warum Mozart auch seinen Teil zum Video beitrug erklärt der Artikel zur Musikwal der Rahmenhandlung.


Inhaltsverzeichnis des GTA Ben-Hur Making-Ofs

  1. Das GTA Ben-Hur Video
  2. Entstehungsgeschichte der Karte
  3. Grundidee des Videos
  4. Erspielen der Action-Sequenzen
  5. Aufnahmearten der Action-Sequenzen
  6. Inszenierung der Action-Sequenzen
  7. Musikwahl der Rahmenhandlung
  8. Intros und Outros – Konzeption und Inszenierung
  9. Schneiden des Videos

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